St. Martin als Namenspatron

Der Altar der ersten Seelzer Kirche muß - soviel darf wohl behauptet werden - einem Heiligen oder der Jungfrau Maria geweiht gewesen sein. Bis zur Reformation im Fürstentum Calenberg muß dieser Namenspatron eigentlich bekannt gewesen sein, doch in den folgenden Generationen ging dieses Wissen offenbar verloren. 1755 brannte die Kirche bis auf die Grundmauern nieder, und damit waren alle Zeugnisse vernichtet, die sicheren Aufschluß über die ursprüngliche Benennung hätten geben können. Der damalige Pastor Mensching konnte nichts mehr darüber in Erfahrung bringen.

Bei der Erarbeitung seiner umfangreichen Kirchenchronik stellte sich Heinrich Wittmeyer auch die Frage nach dem ursprünglichen Namen der Seelzer Kirche, sie konnte aber, wie eben dargestellt, nicht definitiv beantwortet werden. Wittmeyer gab jedoch nicht gleich auf und fand schließlich zwei Anhaltspunkte, die beide in dieselbe Richtung deuten. Unter dem Kirchenland in der Seelzer Gemarkung befindet sich der sogenannte Martenkamp (Martinskamp). Es handelt sich wahrscheinlich um Rodeland aus jener Zeit, als die Seelzer Pfarrkirche gegründet wurde. Doch auch ohne diesen kaum zu beweisenden Zeitzusammenhang weist dieser Flurname darauf hin, daß die erste Kirche wohl dem heiligen Martin geweiht war, denn Flurstücken wurden in aller Regel ortsbezogene Namen beigelegt. Worauf in Seelze sollte sich „Martenkamp“ aber beziehen, wenn nicht auf die Dorfkirche?

Zweiter Hinweis: Im Protokoll der ersten reformatorischen Kirchenvisitation in Seelze im Jahr 1543 ist vermerkt, dass das Patronat über die Kirche und Pfarre bis dahin der Dekan des Mindener Stiftes St. Martin innegehabt habe. Daher ist davon auszugehen, dass in der alten Kirche wenigstens ein Altar dem heiligen Martin geweiht gewesen ist. Auch dies kein Beweis, für Heinrich Wittmeyer aber, zusammen mit dem „Martenkamp“, Grund genug, die Benennung der ersten Seelzer Kirche nach dem heiligen Martin praktisch für erwiesen zu halten.

Die 1767 errichtete neue Kirche hatte nie einen Namen erhalten. Da man sich in Vorbereitung der 700-Jahr-Feier intensiv auf die Wurzeln der Pfarrgemeinde besann, lag es nahe, der Kirche nun einen Namen zu geben, der die Verbundenheit der Gegenwart mit eben diesen Wurzeln zum Ausdruck bringt. Anläßlich der 700-Jahr-Feier am vierten Advent 1948 erhielten Kirche und Pfarrgemeinde daher den Namen des heiligen Martin von Tours.

Von Norbert Saul