Die Konzertorgel

Schon im 16. Jahrhundert hatte die Seelzer Kirche eine Orgel, und 1597, als diese recht aufwendig ausgebessert werden mußte, kann sie nicht mehr ganz neu gewesen sein. 1670 wird sie von der Gemeinde als „unnütz und verlähmt“ bezeichnet, 15 Jahre später wird sie zwecks Reparatur von einem hannoverschen Orgelbauer begutachtet.

Diese Orgel ist 1755 mitsamt der Kirche und dem halben Dorf ein Raub der Flammen geworden. Es dauerte zwölf Jahre, bis die Gemeinde darangehen konnte, wenigstens die Kirche wieder aufzubauen, an eine neue Orgel war indes nicht zu denken. Doch wenige Jahre später kehrte Cord Hinrich Marcs, ein nach Südamerika ausgewanderter Seelzer, als reicher Mann heim und schenkte der Kirchengemeinde 700 Goldtaler für die Anschaffung einer neuen Orgel. (Ausführlich zu C. H. Marcs siehe Text zu seinem Haus.) Der Spender erlebte die Fertigstellung „seiner“ Orgel nicht mehr, doch bis heute erinnert eine Gedenktafel an der Orgelempore an seine Großzügigkeit.

Leider sollte sich später herausstellen, daß die 660 Taler, die der hannoversche Orgelbauer Matthaei erhielt, nicht besonders glücklich angelegt waren. Der Orgelbauer hatte von Anbeginn erhebliche Schwierigkeiten, seinen Vertrag zu erfüllen, er benötigte fast ein Jahr, um die in seiner Werkstatt vorgefertigten Teile in der Kirche aufzubauen. Doch die unliebsamen Verzögerungen waren bald vergessen, und Pastor Mensching schrieb seinerzeit voller Stolz, die neue Orgel sei „ein Werk, welches von allen Orten her besucht wird; man wallfahrtet danach als nach einem Heiligenbilde“.

Aber schon 1786, neun Jahre nach der Einweihung, fielen die ersten Reparaturen an, 1814 die nächsten, umfangreicheren, 1833 mußten schon wieder Mängel behoben werden. In einem Gutachten des Jahres 1850 lesen wir: „Der Orgelbauer Matthaei muß unglaublich gegeizt [haben] oder nicht ganz redlich gewesen sein. Es stellte sich nämlich schon etliche Jahre nach dem Bau der Orgel heraus, daß die großen Pfeifen des Prinzipals und der Trompete zu viel Blei und zu wenig Zinn hatten, daß sie umfielen oder zusammenknickten, weil der Fuß zu schwach gebaut war. Auch konnten die Fledermäuse in das Werk hinein und Zerstörungen darin anrichten.“ 1851 wurde ein weiteres Mal im großen Stil repariert.

1889 wurde schließlich eine ganz neue Orgel angeschafft, und von der alten blieb nur der Prospekt erhalten. 1925 erhielt diese Orgel ein elektrisches Gebläse, womit die jahrhundertelang benötigten Bälgentreter überflüssig wurden.

1934 wurde die erst 45 Jahre alte Orgel durch eine moderne elektrische ersetzt. Doch ähnlich wie die Orgel von 1777 erwies sich diese als recht reparaturanfällig, weshalb man sich in den 60er Jahren wiederum zu einem Neubau mit zunächst zwölf Registern entschloß, der 1968 fertig war. 1969, 1983 und 1989 wurden insgesamt acht Register hinzugefügt, und 1996 konnte die in der Planung auf 28 Register angelegte Orgel endlich vervollständigt werden.

Gegenüber der Orgelempore beherrscht der barocke Kanzelaltar den Kirchenraum. Mit seiner Verbindung von Altar und Kanzel in einem Stück symbolisiert er die Gleichwertigkeit von Abendmahl und Predigt im protestantischen Verständnis. Er stammt aus der Werkstatt des Hofbildhauers Johann Friedrich Zieseniß, welcher seinerzeit z.B. auch die Kanzel der Kreuzkirche (1758) und den Altar der Johanniskirche (1759) in Hannover sowie den Kanzelaltar in Kirchwehren (1755) geschaffen hat.

Von Norbert Saul